Wer war eigentlich Adolph Diesterweg?

Als Adolph Diesterweg vor über 200 Jahren in der Stadt Siegen geboren wurde, gab es für die meisten Kinder in Deutschland wenig Möglichkeiten, regelmäßig eine Schule besuchen zu können.

Für uns ist es heute selbstverständlich, dass alle Kinder gemeinsam mindestens 4 Jahre in eine Grundschule gehen. Das war zur Zeit von Adolph Diesterweg ganz anders: Die gemeinsame Grundschule gab es nicht, sie wurde nach vielen Auseinandersetzungen erst vor gut 80 Jahren 1918 eingeführt. Es gab sogenannte Armenschulen für Kinder, deren Eltern nicht das Geld hatten, sie in eine höhere Schule zu schicken. Die Kinder der reichen Leute besuchten sogenannte "Vorschulen", in denen sie unter ihresgleichen waren. Die Kinder der meisten Leute im Land gingen oft nur während der Wintermonate zur Schule, weil sie im Sommer auf dem Feld und im Garten helfen mussten. Viele Kinder hatten noch schwerere Arbeit zu verrichten.

Sie waren in Fabriken angestellt, wo Stoffe gewebt oder Fäden gesponnen wurden. Ganz schlimm war für viele die Arbeit in Bergwerken, wo sie unter der Erde schuften mussten. 14 Stunden dauerte der Arbeitstag schon für 10jährige Kinder, die Geld für ihre Familien dazuverdienten. Zeit für Spiel und Sport blieb ihnen nicht. Viele wurden krank und starben früh.

Adolph Diesterweg wollte Lehrer werden und hatte viele Ideen, wie den Kindern zu helfen war. Bevor aber Kinder etwas in der Schule lernen können, müssen zunächst Lehrer lernen, wie man den Kindern am besten etwas beibringen kann. In den meisten Schulen damals unterrichteten Handwerker oder ehemalige Soldaten. Oft brachte der Schneider neben seiner Arbeit den Kindern ein wenig bei. Meistens waren das Bibelverse oder andere Sachen, die auswendig gelernt werden mussten. Viel gelernt hatten die Kinder bei solchem Unterricht nicht. Adolph Diesterweg wollte, dass Lehrer richtig ausgebildet sein sollten und half mit, Schulen (sogenannte Lehrerseminare) aufzubauen, in denen die Lehrer auf ihren Beruf vorbereitet wurden. Sie sollten lernen, dass Prügeln nichts dazu beiträgt, Kinder zu fleißigen Menschen zu bilden. Diesterweg selbst schrieb viele Schulbücher und hatte gute Vorschläge, wie Kinder Freude am Lernen finden konnten. Er ließ die Kinder forschen und vieles selbst entdecken.

Sport und Wanderungen in die Umgebung sollten ihre Gesundheit fördern. Diesterweg veröffentlichte 1835 einen "Wegweiser zur Bildung für deutsche Lehrer", damit die Ausbildung der Lehrer in Deutschland vereinheitlicht werden konnte. Darin sind viele Gedanken enthalten, die sich Lehrer auch heute zu Herzen nehmen sollten. Zum Beispiel: "Sorge dafür, dass die Schüler alles behalten, was sie gelernt haben" oder "Suche den Unterricht anziehend zu machen". Diese und viele andere Vorschläge von Adolph Diesterweg können auch heute gelten. So soll unsere Schule mit ihrem Namen an einen Pädagogen erinnern, der die allgemeine Bildung aller Menschen erreichen wollte und den Lehrern hierfür ein Rüstzeug für den Schulalltag mitgab.

Jutta Dittmar, Schulleiterin in Pension